Stromverbrauch: Mehr heisst nicht immer günstiger

Wie kommt es, dass Unternehmen mit einem hohen Stromverbrauch manchmal einen höheren Strompreis erhalten als andere Unternehmen mit einem tieferen Stromverbrauch? Andreas Reiser, Portfoliomanager Strom erklärt, warum.

"Da Stromproduktion und Verbrauch zur Sicherung der Netzstabilität jederzeit ausgeglichen sein müssen und Strom nicht direkt speicherbar ist, wird auf den Energiebörsen für jede Lieferstunde ein eigener Preis gehandelt. Analog zu anderen Märkten ergibt sich der jeweilige Preis aus Angebot und Nachfrage, welche wiederum durch eine Vielzahl von kurz-, mittel- und langfristigen Faktoren beeinflusst werden. Einen grossen Einfluss hat unter anderem das Wetter. So wird beispielsweise an kalten Tagen mehr Energie zur Wärmeerzeugung benötigt wie für Nachtspeicherheizungen, Wärmepumpen, Prozesswärme etc., an extrem heissen Tagen laufen hingegen die Klimaanlagen auf Hochtouren. Wasserkraftwerke profitieren von Regen und Schmelzwassermengen, Photovoltaik-Anlagen von einer hohen Sonneneinstrahlung.

Hinzu kommen andere Einflussfaktoren, wie zum Beispiel die Entwicklung des Kraftwerkparks, Instandhaltungsmassnahmen oder unerwartete Kraftwerksausfälle, sowie regulatorische Rahmenbedingungen. Viele dieser Elemente sind auf längere Sicht nicht oder nur schwer zu prognostizieren. Dennoch gibt es bestimmte Regelmässigkeiten: saisonale Muster – zum Beispiel mehr Stromverbrauch einerseits und mehr Windkraft andererseits im Herbst und Winter; mehr Photovoltaik-Einspeisung im Frühjahr und Sommer – sowie Muster im Tages- und Wochenverlauf – ein höherer Verbrauch an Werktagen als an Wochenenden und Feiertagen sowie ein Verbrauchsrückgang in der Nacht. Energieversorger berechnen auf Basis dieser Muster, historischer und aktuell gehandelter Börsenpreise sowie weiterer Annahmen regelmässig eine stundenscharfe Preiskurve für die nächsten Jahre, auch „Hourly Price Forward Curve“ (HPFC) genannt. Diese wird unter anderem für die Bewertung von Kundenprofilen verwendet und bildet damit die Grundlage für die Offerte an die Marktkunden."

So wird der Preis für Marktkunden ermittelt

"Der Strompreis eines Kunden basiert also auf den prognostizierten Strompreisen (HPFC) sowie dem Lastprofil des Unternehmens. Somit zahlen Unternehmen, die anteilsmässig viel Strom in den “teuren” Stunden verbrauchen, also vor allem in Zeiten, in denen eine hohe Nachfrage besteht, einen höheren Preis pro Kilowattstunde. Kunden, die ein antizyklisches Profil oder zumindest einen gleichmässigen Verbrauch haben, zahlen hingegen tendenziell weniger. So kann es sein, dass Unternehmen trotz etwas höherem Verbrauch einen höheren Strompreis haben, als andere Unternehmen mit etwas geringerem Verbrauch, aber stärkerem Verbrauch zu Spitzenzeiten."

Kann ich mein Lastprofil beeinflussen?

"Natürlich. Einerseits gibt es die Möglichkeit, mittels Spitzenlastmanagement die Verbrauchsspitzen zu glätten, andererseits analysiert auf Wunsch unsere Energieberatung die energieintensiven Prozesse im Unternehmen und macht Vorschläge, diese optimal aufeinander und auf die preisbildenden Faktoren abzustimmen. So profitieren Unternehmen aufgrund des optimierten Lastprofils auch von einer günstigeren Tarifstruktur."

Für alle Fragen zur Optimierung Ihres Lastprofils und zu Möglichkeiten, die Energiekosten zu senken, finden Sie bei schweizstrom ausgewiesene Experten. Rufen Sie uns an, wir helfen gerne.