Täglich ein Blick auf den Strommarkt und das wirtschaftspolitische Umfeld

Ein täglicher Blick auf den Strommarkt

Es gibt in der Schweiz noch einige Unternehmen, die bis Ende Jahr einen neuen Stromliefervertrag abschliessen müssen. Dabei sind Voraussagen über den Verlauf des Strompreises schwierig. Wir von schweizstrom beobachten den Markt und sein Umfeld.

Unsere Kundschaft fragt uns gerne: «Wann soll ich den Vertrag abschliessen?» Selbstverständlich beobachten wir die Bewegungen am Strommarkt genaustens. Jeden Tag sitzen wir Kundenberater mit unseren Analysten vom Portfoliomanagement zusammen und besprechen die aktuellen Tendenzen, mögliche Einflüsse und wir analysieren die Bewegungen der vergangenen Jahre. So können wir unsere Kunden fundiert informieren und Hinweise geben, wie sich der Strompreis entwickeln könnte. Die Frage nach dem besten Zeitpunkt für einen Vertragsabschluss beantworte ich aber nicht. Das wäre vermessen.

Die Preisentwicklung im letzten Jahresquartal

Wenn wir den Verlauf des Strompreises über die letzten drei Jahre anschauen, dann fällt auf, dass der Preis gegen Winter tendenziell gestiegen ist. Der Verlauf sieht dabei immer etwas anders aus. Letztes Jahr gab es zum Beispiel im Oktober eine kurze Zwischenbaisse.

Wer also noch dieses Jahr einen Stromvertrag abschliessen muss, muss tendenziell mit einem höheren Preis rechnen als zum Beispiel bei einem Vertragsabschluss im März 2019. Allerdings oszillierten die Marktpreise dieses Jahr bis auf ein Zwischenhoch Anfang Juli recht stabil zwischen 50 und 55 Euro pro Megawattstunde.

Die Deutsche Energiepolitik, die CO2-Zertifikate und die drohende Rezession

Neben dem Jahresverlauf gibt es etliche Faktoren, die den Preis beeinflussen können. Gespannt blicken wir zum Beispiel auf die energiepolitischen Entscheidungen in Deutschland, denn die Preise in der Schweiz korrelieren sehr stark mit dem Nachbarmarkt. Neben dem bereits bekannten Ausstieg aus der Atomkraft bis Ende 2022, hat die deutsche Bundesregierung in diesem Jahr einen groben Zeitplan für den Ausstieg aus der Kohlekraft definiert. Dieser soll bis Mitte/Ende der 2030er-Jahre komplett vollzogen sein. Das erste Zwischenziel ist allerdings bereits auf Ende 2022 terminiert. Das bedeutet, dass bis dahin in Deutschland ein grosser Anteil an Grund- und Mittellastkraftwerken wegfällt. Dem gegenüber steht der Ausbau der Erneuerbaren Energien, der das Wegfallen der konventionellen Kraftwerksleistung allerdings kurz- und mittelfristig nicht ausgleichen kann. Als Folge werden erhöhte Stromimporte erwartet. Grundsätzlich sind die genannten Entwicklungen am Terminmarkt eingepreist. Die Transformation des deutschen Kraftwerksparks und der dezentralen Stromerzeugung sowie die Wechselwirkungen mit den Nachbarmärkten sind jedoch mit einigen Unsicherheiten behaftet. Entsprechend ungewiss ist auch die Entwicklung der Marktpreise.

Ein zweites wichtiges Thema ist der CO2-Preis. Dieser hat sich unter dem EU-Emissionshandelssystem (European Union Emissions Trading System, EU ETS) seit Ende 2016 von knapp 6 Euro pro Tonne auf aktuell knapp 26 Euro pro Tonne mehr als vervierfacht. Zwischenzeitlich lag der Preis sogar bei knapp 30 Euro. Als Kostenfaktor von Kohle- und Gaskraftwerken ist der CO2-Preis auch für den Strompreis relevant. Beide Kraftwerkstypen sind unter anderem in den wichtigen Nachbarmärkten Deutschland und Italien stark vertreten. Entsprechend gross ist der Einfluss auf den Schweizer Markt. Aufgrund der systematischen Verknappung der Emissionsrechte-Zertifikate zeigt der mittel- und langfristige Preistrend nach oben. Allerdings sind die Volatilität und die Unsicherheit hoch. Offen ist unter anderem wie der Kohleausstieg in Deutschland gehandhabt wird. Verbleiben die durch die Stilllegung der Kohlekraftwerke überschüssigen Emissionsrechte im Markt oder werden die Auktionsmengen teilweise oder vollständig um diesen Wert reduziert? Dieser Entscheid wird einen grossen Einfluss auf den CO2-Preis und in Folge auf den Strompreis haben.

Ein dritter zu beobachtender Faktor ist die schwächelnde Wirtschaft. Nach Jahren des Aufschwungs hat sich das Wirtschaftswachstum in den Industrie- und Schwellenländern zu einem grossen Teil abgeschwächt. Mehreren europäischen Volkswirtschaften droht sogar eine Rezession. Themen wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China, kriselnde Schwellenländer und politische Unsicherheiten wie zum Beispiel beim Brexit spielen hierbei – neben vielen anderen Faktoren – eine Rolle. Aktuell zeigt sich die Wirtschaft in der Schweiz und im übrigen Europa trotz der getrübten Aussichten mehrheitlich immer noch robust. Sollte es allerdings zu einem Abschwung kommen, dürfte das auch den Gesamtenergieverbrauch von Industrie und Gewerbe dämpfen und somit ein pessimistisches Signal für den Strommarkt sein, mit anderen Worten: sinkende Preise.

Wie auch immer sich diese und andere Faktoren entwickeln und auswirken, wir werden ein Auge darauf haben und Sie auf dem Laufenden halten. Wenn Sie Fragen haben, zögern Sie nicht und rufen Sie uns an.

Yves Grebenarov Leiter Investments