Genau hinschauen, nachdenken, Energie sparen

Genau hinschauen, nachdenken, Energie sparen

In einigen Kantonen ist die energetische Betriebsoptimierung von grösseren Gebäuden oder Gebäudekomplexen bereits Pflicht. Sie lohnt sich aber auf jeden Fall. Das zeigt sich auch beim Pflegezentrum Brunnmatt in Liestal/BL, einem unserer energo-Kunden.

energo ist ein Verein, im Jahr 2000 gegründet mit der Mission, das Bundesprogramm EnergieSchweiz in seinem Ziel «CO2-Reduktion um 20 Prozent bis 2020» zu unterstützen. energo macht das, indem seine Kunden den Energieverbrauch senken und Kosten reduzieren. Die Beratung und Unterstützung vor Ort erhalten diese durch energo zertifizierte Ingenieure wie uns Energieberater von schweizstrom. energo zielt mit seiner Dienstleistung in erster Linie auf Betriebsoptimierung. Das heisst, dass sich die Massnahmen auf Betriebsänderungen an den vorhandenen Anlagen konzentrieren – Massnahmen, die wenig oder nichts kosten, aber im Mittel 10 bis 15 Prozent an Energie und Kosten einsparen.

Das Wissen über die bestehenden Anlagen vertiefen

Bei der Dienstleistung «energo©Advanced» geht es grundsätzlich darum, die Anlagen vor Ort, also Heizung, Kühlung, Lüftung sowie Strom- und Wasserverbraucher, gut kennenzulernen und ihr Zusammenspiel zu verstehen, damit wir sie optimal aufeinander und auf die Bedürfnisse der Nutzer einstellen können. So verhindern wir Energieverluste und können die Energie effizient nutzen. Ein Ziel ist zudem, dass die verantwortlichen Personen vor Ort ebenfalls ein tieferes Verständnis für die bestehenden Anlagen entwickeln. Das passiert nicht von heute auf morgen. Gerade bei Kunden mit komplexen Installationen und Energiekosten im fünf- bis sechsstelligen Frankenbereich kann dieser Lern- und Optimierungsprozess zwei bis fünf Jahre dauern. Die Hauswarte und technischen Leiter können zusätzlich Weiterbildungsseminare besuchen. Das ist im Advanced-Abo inbegriffen. Im Idealfall lässt der Kunde das Energiedatenmanagement im Anschluss weiterlaufen. Vielleicht ist es zehn, fünfzehn Jahre später wieder sinnvoll, genauer hinzuschauen.

Kundenberater im Gespräch über das energo Programm Key Account Manager Urs Gehrig im Gespräch mit Geschäftsführer Andreas Meyer

Workshops und Datenanalyse

Um herauszufinden, wo Optimierungspotential besteht, ist es immer gut, die Technik unter verschiedenen Bedingungen zu sehen und die richtigen Fragen zu stellen. Im Pflegezentrum Brunnmatt, das wir seit Mitte 2017 begleiten, haben wir deshalb die Anlagen gemeinsam mit Daniel Zumbrunn, dem Leiter Gebäudeunterhalt, zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten angeschaut und die Energiedaten analysiert. Diese gemeinsamen Begehungen nennen wir Workshops. Wir haben das Tool «Interwatt» eingerichtet, um alle Energiedaten systematisch zu erfassen. Bei einzelnen Anlagen haben wir zusätzlich Zähler eingebaut, weil dort keine vorhanden waren. Daniel Zumbrunn liest die Daten wöchentlich ab. So sieht er rasch, wenn sich etwas ändert, ob eine Betriebsänderung einen Einfluss auf den Energieverbrauch hat und wie stark dieser Einfluss ist. Beim Einlesen nutzt er eine App, über welche die Daten gleich in unser System eingefügt werden. Alleine schon das Ablesen der Energiedaten hilft und motiviert, weil man die positiven Auswirkungen und auch Fehler schnell feststellen kann.

Im Brunnmatt arbeiten wir zusätzlich mit einem Gebäude-Datenblatt als zentralem Arbeitsinstrument, damit wir immer den Überblick haben. Zudem erzeugt Interwatt monatlich einen Energiebericht, auf den wir rasch reagieren können, falls uns etwas auffällt.

Einspareffekt energo Massnahmen Die Erfolgskontrolle zeigt schon nach zwei Jahren ein gemessene Einsparung von über 10% im Wärmebereich.

Kleine Massnahmen mit grossem Effekt

In den zwei Jahren, in denen wir das Pflegezentrum Brunnmatt begleiten, haben wir einiges an Potenzial entdeckt, um den energetischen Betrieb zu optimieren. Wir haben uns in diesen zwei Jahren auf das Thema Wärme konzentriert. Das Zusammenspiel von Wärmegewinnung, Lüftung und Kühlung ist komplex. So nutzt zum Beispiel die Lüftungsanlage im Winter die warme Abluft aus dem Restaurant, um die kalte Frisch-Luft aufzuwärmen. Wegen einer kaputten Klappe hat das aber nicht funktioniert. Das fällt einem nicht einfach so auf. Das muss man erstens merken und zweitens am richtigen Ort nach dem Fehler suchen. Dann nutzt das Pflegezentrum Brunnmatt die drei Wärmequellen Abwärme, Solaranlage und Wärmeverbund, um das Wasser in mehreren Wasserspeichern aufheizen. Diese müssen richtig gesteuert werden, um Sonnenenergie und Abwärme optimal zu nutzen und den Wärmeverbund nur dann beizuziehen, wenn die anderen beiden Energiequellen nicht ausreichen. Dabei helfen unsere Tools von energo. So haben wir dank Interwatt sehr schnell gemerkt, dass die Abwärme der Kälteanlage wegen eines Fehlers nicht mehr für die Vorwärmung des Trinkwarmwassers verwendet, sondern einfach nach draussen geblasen wurde. Zudem konnten wir im Steuerungssystem die bestehenden Leitungen der Warmwasserzirkulation umschalten und dadurch den Betrieb der Solaranlage deutlich verbessern. Dank diesen Massnahmen reduzierte sich der Wärmeverbrauch bereits im zweiten Jahr um mehr als 10 Prozent.

Dieser Erfolg motiviert uns, die pendenten Themen Zimmerlüftung, elektrische Energie, Bodenheizung und Wasserverbrauch anzugehen. Beim Lüftungsthema werden wir den Steuerungs-Fachmann für das Lüftungssystem beiziehen, der dem technischen Leiter des Pflegezentrums Brunnmatt das nötige Know-how vermitteln kann und mit dem wir gemeinsam auch hier eine Lösung zur Optimierung finden werden.

Bruno Vogt Dipl. Energieberater NDS HTL

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