Spekulieren in Watt und Volt

Grafik mit Geldmünzen

Strom ist zu einem internationalen Handelsgut geworden, das an spezialisierten Börsen gehandelt wird. Nach einer Phase mit steigenden Marktpreisen in der Schweiz gibt es seit rund einem Jahr eine Abwärtsentwicklung. Die Corona-Pandemie hat diese Tendenz noch verstärkt.

Mit dem Lockdown kam Mitte März in der Schweiz das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben praktisch zum Stillstand. Die grosse Mehrheit der Termine entfiel, auf den Strassen und im ÖV herrschte gähnende Leere, ebenso in vielen Büros, in den Läden und in der Gastronomie. Durch das «Stay at Home»-Gebot ging erwartungsgemäss auch der Energieverbrauch stark zurück. Die Folge: Die Strompreise an den Kurzfristmärkten – auch Spotmärkte genannt – fielen markant. «Zwar waren die globalen Ölmärkte am stärksten betroffen, aber auch an den Spotmärkten für Strom gab es in vielen westeuropäischen Ländern einen deutlichen Preisverfall», erklärt Andreas Reiser, Portfolio Manager bei schweizstrom. Neben dem Rückgang der Stromnachfrage spielten auch geringere Gas-, Kohle- und CO2-Preise eine Rolle, die als Kostenfaktoren in der europäischen Stromproduktion einen indirekten Einfluss auf den Strompreis haben.

Strom an der Börse

Obwohl nicht greifbar, ist Strom ein Produkt des Alltags, das international gehandelt wird – vergleichbar mit dem Handel an Waren- und Aktienbörsen. Aufgrund ihrer zentralen Lage geniesst die Schweiz unter anderem eine Funktion als Drehscheibe für europäischen Strom. "Im Gegensatz zu den meisten anderen Börsentransaktionen bezieht sich ein Stromgeschäft nicht auf einen spezifischen Zeitpunkt, sondern auf einen Lieferzeitraum ab einer Viertelstunde bis zu einem Kalenderjahr", sagt Andreas Reiser. Ein weiterer Unterschied zu anderen Börsen wie z. B. dem Aktienhandel ist, dass beim Strom in den meisten Fällen eine tatsächliche physische Lieferung die Grundlage für den Handel darstellt. Viele Geschäfte werden zudem direkt zwischen den Handelspartnern und somit ausserhalb von Börsen geschlossen. Dennoch gibt es wie an anderen Märkten auch Händler, die auf eine gewisse Preisentwicklung spekulieren – ohne Interesse an einer physischen Stromlieferung.

Verhaltene Nachfrage

Mit den Lockerungen der Corona-Schutzmassnahmen ist in der Schweiz die generelle Nachfrage nach Strom erwartungsgemäss Step by Step wieder angestiegen. Im Vergleich zu den Vorjahren fällt sie aber gleichwohl schwach aus. Auch die pessimistischer prognostizierte Wirtschaftsentwicklung wirkt sich im Gegensatz zum Aufschwung der letzten Jahre negativ auf die Preiserwartung aus. «Dementsprechend aufmerksam blicken die Stromhändler auf die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie und der Wirtschaft», sagt Andreas Reiser. Eine allfällige zweite Pandemie-Welle dürfte den Strompreis erneut unter Druck setzen.  

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Andreas Reiser, Portfoliomanager Strom bei schweizstrom

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