Batteriespeichersystem - Ein Innovationsprojekt in Pratteln

Batteriespeicher für die Versorgungssicherheit

Batteriespeicher spielen in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Versorgungssicherheit. Die EBL Tochter schweizstrom baute deshalb beim Aquabasilea ihr erstes grosses Batteriespeichersystem.

Das Regeln des Energieflusses ist eine wichtige Aufgabe der Stromversorger. Damit die Stromversorgung nicht zusammenbricht, müssen Stromproduktion und Stromverbrauch stets im Gleichgewicht sein. Wenn also plötzlich mehr elektrische Energie bezogen wird, muss mehr Strom zur Verfügung stehen. Umgekehrt muss die Stromproduktion gedrosselt werden, wenn weniger Energie benötigt wird. Bis jetzt werden plötzliche Schwankungen zu einem grossen Teil über Pumpspeicherkraftwerke geregelt, deren Leistung bei Bedarf sofort hoch- oder heruntergefahren werden kann.

Die Spannung im Stromnetz muss konstant bei 50Hz gehalten werden. Dazu müssen Stromerzeuger und -Verbraucher stets im Gleichgewicht sein.

Mit dem schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie und dem neuen Fokus auf die neuen erneuerbaren Energien aus Wind und vor allem Sonne und Wasser entsteht jedoch ein Problem: Die Ersteren stehen längerfristig nicht mehr für Regelenergie zur Verfügung und bei den Letzteren lässt sich die Produktion nicht auf Abruf steuern. Die Sonne scheint halt, wenn sie scheint. Für die Energiewende ist deshalb zentral, dass Energie zwischengespeichert werden kann, zum Beispiel in Batteriespeichersystemen. Diese können im Vergleich zu Pumpspeicherkraftwerken bei gleicher Leistung deutlich günstiger und schneller Primär- oder Sekundärregelenergie anbieten, die mechanischen Verluste fallen weg, auch die Instandhaltungskosten sind wesentlich kleiner.

Erkenntnisse für die Zukunft

Es besteht kein Zweifel: Batterien werden als Energiespeicher schon bald eine grosse Rolle spielen. Regelenergiespezialist Kurt Ost hat deshalb ein Innovationsprojekt initiiert, um beim Aquabasilea in Pratteln in Zusammenarbeit mit den Unternehmen Tesla und Alpiq einen Batteriespeicher zu betreiben. Dieser bringt eine Leistung von 1 Megawatt und hat eine Kapazität von 1,28 Megawattstunden. Mit dieser Batterie könnte man in einem Elektroauto circa 7200 Kilometer weit fahren.

Einweihung der ersten Megawatt-Batterie der Nordwestschweiz beim Aquabasilea in Pratteln.

Tesla hat dieses Jahr beim Aquabasilea einen neuen Supercharger mit 14 Ladesäulen gebaut. Geplant ist ein Ausbau auf 24 Ladesäulen und ein  Carport mit einer Photovoltaikanlage. Dieser Sonnenstrom soll direkt in die Batterien der Elektroautos fliessen oder in den Batteriespeicher von schweizstrom. Der Batteriespeicher von schweizstrom wird zunächst vor allem dafür genutzt, am Regelenergiemarkt teilzunehmen, also kurzfristig Strom zu liefern und allenfalls zu laden. Hat es zu viel Strom im Schweizer Stromnetz, soll dieser auch kostengünstiger in die  E-Fahrzeuge fliessen. Noch haben Batterien den Ruf, teuer zu sein, und die Regelenergie jenen eines unergiebigen Geschäfts für die Energieversorger. Kurt Ost ist aber überzeugt, dass die Investition von über einer Million Franken in das Batteriesystem und deren Betrieb in acht Jahren amortisiert ist und dass von da an mindestens weitere zehn Jahre mit dem Batteriespeicher Geld verdient werden kann.

Interview Kurt Ost

Kurt Ost, wo sehen Sie die primäre Rolle von Batteriespeichern?

Das Wichtigste für die die Zukunft ist, dass wir für alle ein funktionierendes Stromnetz aufrechterhalten. Ich sehe deshalb als zentrale Rolle der Batteriespeicher die Stärkung des Verteilnetzes. Wir erleben einen starken Ausbau an Photovoltaikanlagen. Das ist gut, weil dies eine erneuerbare Energiequelle ist. Aber an schönen Sommertagen können die vielen Kleinproduzenten das Stromnetz belasten. Hier könnten lokale Batteriespeicher in einem Dorf oder einem grösseren Quartier einen weiteren Netzausbau ersetzen. Der am Tag produzierte Strom wird lokal gespeichert und in der Nacht oder an bewölkten Tagen wieder lokal genutzt.

Wenn schweizstrom in einen Batteriespeicher investiert, dann planen Sie sicherlich auch entsprechende Dienstleistungen. Welche Vorteile bringen Batteriespeicher Ihren Stromkunden?

Unternehmen, die an einem Batteriespeicher angeschlossen sind, können ihre Lastspitzen brechen. Damit sinken ihre Energiekosten erheblich. Wenn die Kernkraftwerke mit Bandenergie eines Tages wegfallen, wird man noch mehr für Lastspitzen bezahlen müssen. Zudem können die Unternehmen via Batterie ihren Eigenverbrauch und den Energieverbrauch optimieren sowie durch die Bereitstellung von Regelenergie Geld verdienen.

Batterien werden aktuell kontrovers diskutiert. Die effizientesten Batterien nutzen Rohstoffe, die teilweise unter menschlich und ökologisch problematischen Voraussetzungen abgebaut werden. Wie stehen Sie dazu?

Es ist wahr, dass hier noch Handlungsbedarf besteht. Ich bin aber der Meinung, dass es nicht besser wird, wenn man abwartet. Nur wenn in eine Technologie investiert wird, werden auch die Hersteller in die Forschung investieren können, um neue, ethisch und ökologisch bedenkenlose Batterien zu entwickeln.

Yves Grebenarov Leiter Investments

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